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So quicklebendig ist das Totholz!

In einem einzigen Totholzstamm können sich Tausende von Lebewesen tummeln. Nicht nur verschiedene Insekten und deren Larven, Asseln, Würmer und Milben, sondern auch Mikroorganismen, Flechten, Moose und Pilze leben im und vom Totholz. Der Abbau von Cellulose und Lignin geschieht besonders durch Pilze und Mikroorganismen. Diese sondern Enzyme wie beispielsweise Cellulasen ab, mit deren Hilfe Cellulose zersetzt wird.

Es mag ein wenig widersprüchlich klingen, aber totes Holz ist einer der lebendigsten Lebensräume der Natur und spielt eine äußerst wichtige Rolle für die Artenvielfalt. Warum das so ist und wie wir Totholz als Lebensraum zur Verfügung stellen können, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Die Bausubstanz der Bäume: Eine
Fülle an Energie und Nährstoffen

Lebende Bäume nehmen Wasser, Mineralien und Kohlendioxid (CO2) auf. Das CO2 wird bei der Photosynthese unter Aufnahme von Energie aus Sonnenlicht zu Glucose (Zucker) weiterverarbeitet und in dieser Form für die Bildung von Wachstums- und Stoffwechselprodukten eingesetzt. Durch biochemische Prozesse entstehen auf diese Weise unter anderem die drei wichtigsten Zutaten für den Aufbau von Holz: die Kohlenstoffverbindungen Cellulose, Lignin und Hemicellulose. Diese sorgen für die Zellstruktur, Festigkeit und Elastizität des Holzes. Daneben gibt es noch eine Reihe sogenannter Extraktstoffe. Hierzu zählen Terpentine (Gemische aus Harzen und ätherischen Ölen), Farbstoffe, Wachse, Harze und Fette. Diese Stoffe machen 1 bis 10 % der Holzmasse aus. Auch Kalium, Calcium, Natrium und Eisenoxid findet man im Holz.

Wer profitiert von Totholz und warum?

Totholz als Lebensraum für große und kleine Lebewesen:

Spinnen, Insekten, Reptilien, Amphibien, Vögel und sogar manche Säugetiere wie Igel und Fledermäuse gehören zu den natürlichen Besuchern, die im Totholz einen Unterschlupf finden. Wärmeliebende Arten wie Eidechsen, Blindschleichen und Holzbienen sind besonders an und in totem Holz an warmen, sonnigen Orten zu finden, wohingegen Amphibien (wie zum Beispiel Kröten) feuchtere und kühlere Orte bevorzugen.

Holz besteht aus einer Vielzahl wertvoller Stoffe, wie Zuckerverbindungen, Proteinen, Fetten, Mineralien und Enzymen – Stoffe, die zum Teil nach dem Absterben von Bäumen oder Ästen von anderen Organismen konsumiert werden. Aber nicht nur als Nährstofflieferant, auch als Lebensraum, wird totes Holz gebraucht.
Hornisse beim Nestbau. Hornissen sind eine Wespenart, die durch die Bundesartenschutzverordnung und das Bundesnaturschutzgesetz geschützt ist. Viele Tier- und Pflanzenarten, die auf Totholz angewiesen sind, stehen sogar auf der "Roten Liste", sind also vom Aussterben bedroht.

Totholz zum Bauen

Holz eignet sich prima als Baumaterial – das haben nicht nur wir Menschen herausgefunden: Wespen knabbern an totem Holz, vermengen es mit ihrem Speichel und ordnen es dann an einem geschützten Ort für den Bau ihrer Papier-ähnlichen Nester in einer Wabenstruktur an.

Totholz als Nahrungsquelle

Im Sommer summt, brummt und lebt es am (und im) Totholz, im Winter wird es still, und das Totholz wird zur wichtigen Nahrungsquelle: Wenn an den Bäumen und Sträuchern die Früchte fehlen und nirgends ein Blümchen blüht, dient das Totholz weiterhin als Nährstoffspeicher und bietet neben einer warmen Unterkunft auch genug Nahrung für kleine Lebewesen.

Unterschiedliches Totholz – unterschiedliche Verfallsstufen – unterschiedliche Lebewesen!

Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte können vergehen, bis ein Stamm völlig vermodert ist, je nach Holzart und Umweltbedingungen. In diesem Zeitraum durchläuft das Totholz mehrere Stufen des Verfalls: Zuerst besiedeln Insekten das tote Material, fressen daran und bohren Gänge. Dabei entstehen Kot und Bohrmehl, beides kann von anderen Organismen weiter verarbeitet werden.

Irgendwann fangen Pilze und Bakterien an, das Holz zu zersetzen, die Rinde löst sich langsam ab, und das Holz wird instabil. Nun besiedeln andere Insektenarten als anfänglich diesen Lebensraum.

Geht das Totholz dann allmählich in Humus über, besteht es bereits zum Großteil aus dem Kot der bisherigen natürlichen Besucher. Bodenlebewesen wie verschiedene Würmer, Schnecken und Asseln wandern dann in das übrige Substrat und zerkleinern es weiter.

Manche Arten sind derartig spezialisiert, dass sie nur im und am Totholz bestimmter Baumarten und auch nur in einer bestimmten Verfallsstufe vorkommen. Je verschiedenartiger das Angebot an totem Holz ist, desto reicher ist also auch die Artenvielfalt.

Mit den ersten Gängen der Käfer wird gleichzeitig Raum für Pilze und andere Lebewesen geschaffen. Spechte beginnen, nach Insekten zu suchen , klopfen ihre Löcher in das Material und schaffen so wiederum Platz für weitere Besiedelung.
Für Totholz gilt: Je dicker das Holz ist, desto mehr Nahrung gibt es und desto bessere Höhlen lassen sich bauen. Totholzhaufen sollten daher möglichst dicke Stämme und Stücke enthalten ...
... aber auch kleine Äste können zu einem Haufen gestapelt werden und bieten Schutz und Nahrung. So bieten markhaltige Stängel (Schwarzer Holunder, Himbeere, Brombeere, Heckenrose) Nistplätze Insektenarten wie die Maskenbiene oder die Schwarze oder Blaue Keulenhornbiene.
Spechte schlagen ihre Höhlen vorwiegend in aufrechtstehende tote Bäume und benutzen diese als Nist- und Überwinterungsplatz. Verlassene Spechthöhlen werden von anderen Arten genutzt, beispielsweise von Fledermäusen. Da Spechte mehr Höhlen bauen als sie selbst für die Brut und die Überwinterung benötigen, bleiben immer Höhlen für andere Tiere übrig.
Bizarre Formen aus Holz: Was für uns Menschen hübsch anzusehen ist, dient gleichzeitig als Insektenhotel. Übrigens: Zum Thema Insektenhotels und wie diese einfach aus Holz und anderen Materialien hergestellt werden können, hatten wir hier bereits einen Beitrag für Euch veröffentlicht.

Wie stellen wir Totholz als Lebensraum zur Verfügung?

1. Als Haufen

Wer der Natur mit Totholz etwas Gutes tun will, nutzt dafür am besten den eigenen Garten. An einem möglichst geschützten, warmen und sonnigen Ort (für die vielen wärmeliebenden Arten) kann das Totholz in einem lockeren Haufen aufgeschichtet werden. So kann es unmittelbar von verschiedenen Arten als Versteck und Rückzugsort benutzt werden. Das Gleiche gilt übrigens für Laubhaufen: Statt als Laubfeuer verbrannt zu werden, sollte Herbstlaub bestenfalls in einer geschützten Ecke im Garten angehäuft und liegengelassen werden. So kann es auch im Winter Schutz bieten – beispielsweise als Winterschlafquartier für Igel, Kröten und Insekten. Überwintert wird im Totholz entweder unter dem schützenden Geäst, in den Bohrlöchern von Käfern, in Hohlräumen und unter der Rinde.

2. Als aufrechter Stamm

Lange und dicke Baumstämme haben das Potenzial, einen äußerst wertvollen Lebensraum zu bieten. Stellt man einen solchen Stamm aufrecht, kann man nicht nur Vögeln und Insekten einen Rückzugsort bieten, sondern auch Fledermäusen.

3. Als Gestaltungselement:

Holz kann sehr ästhetische Formen annehmen. Warum nicht also Totholz als optisches Highlight im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon platzieren? Oder wie wäre es mit einer Begrenzung aus natürlichem Holz als „Raumteiler“im Garten?

4. Als Benjeshecke

Wer Lust auf ein größeres ökologisches Experiment hat, kann sich an den Bau einer Benjeshecke wagen: Hierfür setzt man Holzpfeiler in Reihen in die Erde und schichtet Totholz, Reisig und feste Schnittreste aus dem Garten entlang der Pfeiler. Sackt die Hecke im Laufe der Zeit zusammen, legt man einfach neue Schnittreste und Äste von oben nach. Eine Benjeshecke kann gleichzeitig als Abgrenzung zwischen Beeten oder Grundstücken dienen. Im Optimalfall baut man zwei Reihen, in deren Zwischenraum Platz für Bewuchs ist. Mit der Zeit werden in den Zwischenraum und in die Hecke selbst durch Vögel Samen eingetragen, sodass Stauden und holzige Pflanzen zu wachsen beginnen. Alternativ kann die Hecke mit geeigneten Pflanzen selbst bestückt werden, beispielsweise mit dem schattenliebenden Roten Fingerhut, der Akelei oder der Breitblättrigen Glockenblume.

Der innere Bereich der Benjeshecke auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die Hecke wurde von der Hochschul-AG "Nachhaltigkeit und Umwelt" aufgebaut, die Bepflanzung im Inneren erfolgte zusammen mit Otto pflanzt!

Biochemie und Holzaufbau:

Bilder:

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Bäume gießen – wie geht’s richtig?

Die Eigentümerinnen und Eigentümer von Flächen, die Otto pflanzt! bepflanzt, verpflichten sich, ihre Bäumchen zu pflegen – insbesondere im Sommer für ausreichend Wasser zu sorgen. Aber wie gießt man denn eigentlich „richtig“?

Wie oft gießen?

Das kommt Trockenheit an – auf Hitze, Wind und ob es zwischendurch regnet. Im Allgemeinen reicht es aus, zweiwöchentlich zu gießen. Neu gepflanzte Bäume sollten in den ersten Wochen öfter gegossen werden, danach seltener. Zu häufige Wässerungen führen bei jungen Bäumen dazu, dass sie „verwöhnt“ werden und nicht genügend Wurzeln ausbilden, mit denen sie eine Trockenzeit besser überstehen können. Besser also seltener und reichlich als weniger und oft.

Wie viel gießen?

Das hängt von mehreren Faktoren ab – Baumart und -größe, Boden, Wärme und Wind. Faustregel: Pro Baum durchschnittlich 10 bis 15 Liter pro Woche (was nicht bedeutet, dass alle sieben Tage gewässert werden muss!). Viel Wasser brauchen z. B. Pappel, Erle, Weide, Ulme, Traubenkirsche. Kleinere und weniger belaubte Exemplare müssen natürlich entsprechend weniger gewässert werden.

Wie gießen?

Wichtig ist, dass das Wasser nah an der Pflanze (unten direkt am Stamm) in den Boden einsickern kann. Besonders bei großer Trockenheit gilt: Langsam gießen, da trockener Boden das Wasser schlechter aufnimmt. Niemals so viel oder so schnell, dass (gerade nach einer Pflanzung) der Oberboden weggeschwemmt wird.

Wann gießen?

Es empfiehlt sich das Gießen, am Morgen und am späten Abend – also nicht in der Hitze des Tages. Hier geht es darum, dass möglichst viel Wasser die Wurzeln erreicht und wenig Wasser verdunstet.

Was geht noch?

Vorteilhaft ist es, die Baumscheibe mit einer dicken Schicht Mulch abzudecken. Das kann Baumrinde sein, aber auch Grasschnitt, Laub oder Stroh. Das hilft, die Verdunstung zu vermindern und die Erde feucht zu halten.

Und hier gibt’s diese kleine Liste auch noch mal als PDF 😉

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Sachsen-Anhalt im Trockenstress

Warum der letzte Regen so trügerisch war

Magdeburg, 29. Juni, nachmittags. Ein hellgrau melierter Himmel, angenehme 23 Grad, angesichts der Glut vergangener Tage fast kühl. Und dann trommeln leise, kaum hörbar, Regentropfen auf den Sonnenschirm. Nur wenige Minuten lang.

Der Regen, der vom Wetterdienst prophezeit wurde, bleibt aus. 20 bis 50 Millimeter? Die Menge ist kaum messbar. Nicht der erste Irrtum vergangener Wochen. Nicht die erste Enttäuschung. Bange Blicke auf die Wetter-App. Das Wetter-Radar der App zeigt  Wolkenbänke, die sich kurz später in Nichts auflösen.

Samstag, 1. Juli, vormittags. Gegen 4.30 Uhr hatte es zu regnen begonnen, erst stark, dann nieselnd, mit Unterbrechungen. In Rothensee zeigt der Regenmesser morgens 12 Millimeter an, bis zum frühen Nachmittag kommen noch knapp vier Millimeter hinzu. Pfützen auf der Straße. Wasser tropft von den Bäumen. Wer jetzt durchs Gras läuft, bekommt nasse Schuhe.

Also Entwarnung? Ist das die Erlösung? Jetzt haben die Pflanzen endlich das dringend benötigte Wasser – oder? Ein trügerisches Gefühl, eine falsche Hoffnung. Auch wenn die Bäume im Stadtpark auf den ersten Blick noch satt grün erscheinen.

Die Klimakrise ist nicht nur in Magdeburg angekommen. Wir sind ihr nationales Zentrum, und das seit Jahren.

Das Landesamt für Umweltschutz (LAU) hat die bitteren Fakten zusammengefasst:

– Das Frühjahr 2022 war eines der drei trockensten (zusammen mit den Jahren 1934 und 2011) seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

– Nachdem der Februar noch recht feucht war, fielen in den Frühlingswochen dann nur noch 157 Millimeter Niederschlag, drei Viertel des statistisch erwarteten Wertes von 207 Millimetern. Im Monat März kamen nur noch 15,1 Prozent zusammen, gegenüber dem Niederschlag-Mittel des Vergleichzeitraums von 1961 bis 1990.

– Die Sonne schien im März 231,4 Stunden – der Höchstwert seit Erfassungsbeginn 1951 (auf Platz 2 das Jahr 2011 mit 38 Stunden weniger).

– Die 16 Millimeter Regen am Freitag in Magdeburgs Norden (im Süden fiel etwa das Doppelte) sind dabei aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Bördeboden, eine winzige Rate auf einen Langzeit-Kredit. Denn durch die trockenen Jahre seit 2018 fehlen dem Boden inzwischen 272 Millimeter Regen – die Menge eines halben Jahres.

Wie viel Niederschlag bräuchten wir eigentlich, damit der Boden wieder die normale Feuchtigkeit hat? Der Magdeburger Baum-Sachverständige Hartmut Beyer macht wenig Hoffnung: „Dazu müsste es zwei bis drei Wochen hindurch regnen.“

der schwarze Punkt zeigt die Lage Magdeburgs: Die Bodenfeuchte am 28.06. direkt unter der Oberfläche bis in 10 cm Tiefe ...
... und hier in zwei Metern Tiefe. Weiterhin kritische Werte und Sachsen-Anhalt. Grafiken (Screenshot): Deutscher Wetterdienst

Seit jeher ist der Magdeburger Raum eine der trockensten Gegenden Deutschlands. Inzwischen hat ihn extreme Trockenheit erfasst. Der Bodenfeuchteviewer des Deutschen Wetterdienstes (DWD) macht das auf schockierende Weise deutlich. Dort lässt sich die Trockenheit an verschiedenen Tagen in unterschiedlicher Bodentiefe ablesen. Für den 28. Juni weist die interaktive Karte „extremen Trockenstress aus, und zwar nicht nur an der Bodenoberfläche, sondern bereits auch in zwei Metern Tiefe.

Und hier zeigt sich die fatale Lage speziell unserer Stadt in Bezug auf die Versorgung mit Niederschlag. An der Oberfläche ist halb Deutschland trocken, insbesondere der mittlere und östliche Norden des Landes. Dort wird es aber in den tieferen Schichten wieder deutlich besser – sogar im trockenen Brandenburg. Nicht so leider in Magdeburg und dem südlichen Sachsen-Anhalt.

Bodenfeuchte in Magdeburg - Grafik: Deutscher Wetterdienst

Dies macht deutlich: Es ist nicht Sache eines einzelnen noch so ergiebigen Regengusses, die Pflanzen genügend mit Wasser zu versorgen. Die Frage ist, wie viel Wasser der Boden auf Vorrat hat.

Die Landwirtschaft gebraucht dazu das Maß der „nutzbaren Feldkapazität“ (nFK). Dies meint vereinfacht – vergleichbar mit einem Akku – den „Ladestand“ in bestimmten Bodentiefen an bestimmten Tagen. Die Seite agrarheute.com hat den nFK hier ganz schön erklärt.

Für die Juni-Tage Magdeburg veröffentlichte der Deutsche Wetterdienst dazu die folgende Grafik, die allerdings leicht etwas Falsches suggeriert: „Grün“ heißt nämlich nicht „gut“ (blau wäre gut)  – sondern es meint eine gerade mal 50-prozentige Sättigung, die wir in der Tiefe von ein bis zwei Metern haben. Darüber sieht es noch schlimmer aus:

Aber auch insgesamt ist der Osten Deutschlands von der Dürre immer Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung stärker betroffen, das belegt auch der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ) mit Aufzeichnungen über die Veränderungen der letzten Jahre:

Grafik: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Wir sollten also aufhören, immer nur zu hoffen, dass schon irgendwann genug Regen kommt. Wir können nur versuchen, den Schaden zu begrenzen. Rasen und Beete sind nicht wichtig, hier sollte das kostbare Wasser nicht verschwendet werden; die Bäume brauchen das Wasser. Besser viel Wasser in etwas größeren Abständen als täglich kleine Mengen. So fördern wir das Wurzelwachstum. Und am besten in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden, dann dringt mehr in die Erde ein, es verdunstet weniger. Das ist es, was wir noch tun können.

Und sonst? Eine kleine Hoffnung bleibt: Dass einige Bäume genetisch so robust sind, dass sie trotz der Trockenheit überleben. Und dass ganz junge Bäume sich noch an die Trockenheit anpassen können.

Es werden nicht alle schaffen. Aber ein paar.

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Die Laubholzmistel – ein
gefährlicher Halbparasit

Laubholzmistel oder auch „weiße Mistel“: in kugelförmigen Büschen sitzt sie in den Kronen von Laubbäumen und wirkt dabei oft unscheinbar und klein, ihre Bedeutung hingegen ist groß: Als leicht giftige Heilpflanze hilft sie in bestimmten Dosen gegen Krebs und Blutdruckbeschwerden, als Türschmuck soll sie Schutz und Segen über Häuser bringen und wer unter ihr steht, soll angeblich einen Kuss erhalten. Und für die Bäume? Für die kann sie leider sehr gefährlich (sogar tödlich!) sein. Seit den 1990er Jahren verbreitet sie sich in Deutschland.

Die weißen, glasig erscheinenden Beeren enthalten einen zähen, zuckerhaltigen Schleim, man spricht auch von "Mistelleim"

Immergrüner Halbparasit

Halbparasiten oder auch Halbschmarotzer ernähren sich von Wasser und Nährstoffen, die sie aus sogenannten Wirtspflanzen (Wirt = ein vom Parasiten bzw. Schmarotzer befallenes Lebewesen) entnehmen. Im Gegensatz zu den Vollschmarotzern, welche alle lebenswichtigen Nährstoffe ausschließlich vom Wirt beziehen, besitzen sie genug Chlorophyll für die eigene Photosynthese und können somit aufgenommenes Wasser mit Kohlenstoffdioxid und Sonnenlicht zu energiereichen Kohlenhydraten weiterverarbeiten. Bei der Mistel werden diese Kohlenhydrate in der Pflanze selbst und ihren unzähligen Beeren eingebaut.

Besonders auffällig ist die Mistel im Winter. Denn sie ist das ganze Jahr über grün und kommt vor allem dann optisch stärker zum Vorschein, wenn die Laubblätter an den Bäumen fehlen. Während der Wirtsbaum gerade eigentlich „Winterpause“ macht und versucht, mit seinen Nährstoffen sparsam umzugehen (siehe auch: unser Beitrag zum Nährstoffhaushalt von Bäumen in Herbst und Winter), zieht die Mistel weiter mithilfe ihrer Saugorgane (den sogenannten „Haustorien“) Stoffe aus seinem Gewebe und bildet davon sogar Beeren. Die schleimigen Früchte werden von Vögeln gefressen. Klebrige Reste bleiben dabei teilweise an den Schnäbeln hängen, werden anderswo wieder abgestreift oder tropfen am Baum auf darunterliegende Äste,  

Von einer Mistel befallener Ast eines Apfelbaumes. Die parasitische Pflanze verbindet sich tief mit dem Gewebe des Wirts und saugt an dessen Wasser- und Nährstoffbahnen

wobei die Kerne aus dem Inneren der Beeren verteilt werden. Auch über Vogelkot werden die Samen wieder ausgeschieden. So verbreitet sich die Mistel und befällt weitere Bäume. In Deutschland hat sie sich auf diese Weise in den vergangenen Jahrzehnten vorwiegend in der südlichen Hälfte ausgebreitet und macht damit vor allem Weiden, Apfelbäumen und Ebereschen das Leben schwer, andere Arten wie Kirschen und Pflaumen werden hingegen nicht befallen. Betroffene Bäume wachsen durch den Nährstoff- und Wasserentzug langsamer als ihre nicht-betroffenen Artgenossen. Die durch den Klimawandel bedingte zunehmende Trockenheit wird damit zur noch stärkeren Belastungsprobe für die Pflanzen, diese Kombination endet mitunter tödlich.

Keine Wurzeln, dafür Saugorgane

In jedem einzelnen Mistel-Samenkorn befinden sich mehrere Embryonen, aus denen bei geeigneten Bedingungen neue Pflanzen heranwachsen können. Ein Keimstängel (das sogenannte „Hypokotyl“) bahnt sich seinen Weg zur Rinde des Wirtsbaumes und schmiegt sich in Form einer Saugscheibe an sie. Enzyme lösen die Rinde auf und anschließend entsteht durch Zellteilung ein Keil, der tief in das Gehölz des Wirts eindringt. Bis die Nährstoff- und Wasser-transportierenden Leitungsbahnen (das „Xylem“) der Wirtspflanze erreicht werden, vergeht ungefähr ein Jahr. Ist dieser Prozess abgeschlossen, bildet die Mistel das erste Blattpaar aus.

Abgestorbener Apfelbaum mit Mistelbefall. Solange der Baum noch lebt, ernährt sich die Mistel von ihm. Sie stirbt erst mit ihm zusammen und wird gelb, weil es dann auch für sie kein Wasser und keine Nährstoffe mehr gibt

Was man tun kann: Baumpflege – und zwar sofort!

Entgegen einem weitläufigen Irrglauben steht die Laubholzmistel NICHT unter Naturschutz (siehe auch: NABU Bundesfachausschuss Streuobst – Misteln in Streuobstbeständen) und darf somit entfernt werden. Um die betroffenen Bäume zu schützen und im schlimmsten Falle sogar vor dem frühzeitigen Tod zu bewahren, ist diese Art der Baumpflege sogar notwendig. Ganze Streuobstbestände – Heimat tausender Tier-, Pilz- und Pflanzenarten und eine der artenreichsten Formen von Ökosystemen in Mitteleuropa – sind bedroht, besonders in Mittel- und Süddeutschland.

Ein von Misteln stark bewachsener Baum benötigt Hilfe. Besonders, um in den zunehmend sehr trockenen Sommermonaten keiner lebensgefährlichen Doppel-Belastung ausgesetzt zu sein.

 

Regelmäßige Pflege ist einfach

Glücklicherweise wachsen Misteln nur langsam und lassen sich gut entfernen. Das macht die regelmäßige Pflege von betroffenen Bäumen deutlich einfacher. Jedes Jahr vergabelt sich ein Mistelzweig nur einmal, sodass man das Alter direkt an der Pflanze ablesen kann. Ein großer Mistelbusch zeigt also, dass die Pflege am jeweiligen Baum bereits über mehrere Jahre, oder sogar Jahrzehnte, ausblieb. Denn die Mistel kann bis zu 70 Jahre alt werden. Sie begleitet einen Wirt sozusagen regelrecht für sein ganzes Leben, wird dabei immer größer und zieht immer mehr Säfte aus dessen Körper – solange sie nicht entfernt wird oder die Wirtspflanze stirbt.

Klimaschutz als wichtiger Faktor

Es wird vermutet, dass die Klimaerwärmung die Ausbreitung der Mistel begünstigt. Das Gleiche gilt für die Vogelarten, die ihre Samen verteilen. Außerdem sind viele Baumarten durch zunehmend trockene Hitzesommer allgemein geschwächt und anfälliger für Parasiten. Ein prominentes Beispiel hierfür in Deutschland ist der Borkenkäfer, der sich immer in Trockenphasen ausbreitet und Lärchen- und Fichtenbestände zerstört. Der Schutz unseres Klimas wirkt sich daher unmittelbar positiv auf den Schutz verschiedener Lebewesen vor Schädlingsbefall aus.

Entfernung einer Laubholzmistel: Kleine Zweige können sehr leicht abgebrochen werden. Dickere Stämme der Mistel werden bündig am befallenen Baum abgesägt. Achtung: die Rinde des Baumes darf dabei nicht beschädigt werden. Die optimale Jahreszeit für die Mistelentfernung ist im Spätwinter bis zum zeitigen Frühjahr
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Eicheln, Nüsse und Kastanien: So
pflanzen Tiere einen neuen Wald

Walnüsse, Eicheln, Haselnüsse und andere Leckereien: Im Herbst gibt es ein reichhaltiges Nahrungsangebot für verschiedene Tiere. Krähen, Eichhörnchen und Eichelhäher sind in der Lage, größere Früchte und Nüsse fortzutragen, die sie dann teilweise als Wintervorrat vergraben. Denn Nüsse und Eicheln sind voller Nährstoffe wie Proteine und Öle. Nur: Häufig kommt es vor, dass die Tiere diesen Vorrat später gar nicht wiederfinden. Das ist kein „Versehen“ der Natur – sondern hat einen Sinn: So tragen die Tiere – besonders oft Vögel – zur Verbreitung von Bäumen und Sträuchern bei.

Vögel als Baumpflanzer? Die können uns prima helfen! Auf diese Idee kam Daniel Müller-Habbel, Revierleiter im Staatswald Eckenhagen (Bergisches Land). Die Herausforderung war eine Wiederaufforstung großer Flächen nach dem verheerenden Sturm Kyrill. Der Förster sammelte 600 Kilo Eicheln und Bucheckern und deckte damit im betroffenen Gebiet über 20 „Frühstückstische“ für die Eichelhäher. Eichelhäher lieben Eicheln, sie konnten gar nicht widerstehen und sackten alles ein, was sie wegtragen konnten. Sie futterten sich satt, vergruben Vorräte und – vergaßen einen Teil. Im Frühjahr begann so die Entstehung eines neuen Waldes, geschaffen mit Hilfe der Vögel …

Wie der Name schon sagt: Der Eichelhäher liebt Eicheln - und hilft mit seinen Vorräten bei der Aufforstung

Die Wirkung der Winterkälte auf Samen

Wurde ein Wintervorrat in der Erde vergraben, fangen die Samen in der Regel nicht sofort an zu keimen. Das ist gut so: Sonst würden die zarten Pflänzchen beim nächsten Frost erfrieren. Deshalb sind in unserer Klimazone viele Pflanzenarten „Kaltkeimer“: Die Samen dieser Arten müssen erst über einen längeren Zeitraum hinweg Kälte ausgesetzt sein, damit es zur Keimung kommt. Die Logik: Erst der Winter, danach wird gekeimt.

Gesteuert wird dieser Mechanismus maßgeblich über keimhemmende Pflanzenhormone wie die Abscisinsäure im Samenkorn. Diese Hormone werden durch eine länger andauernde Kälteeinwirkung allmählich abgebaut. Erst dann kann ein Keim – beim erneuten Temperaturanstieg im Frühling – austreiben. Und, so ganz nebenbei, ist das auch sehr ökonomisch: Es bleibt den Tieren so viel Nahrung wie sie brauchen. Und nur das, was Eichhörnchen, Eichelhäher und Co. in während der kalten Jahreszeit nicht wieder ausbuddeln, wird später keimen.

Übrigens: Die in milderem und tropischem Klima beheimateten Pflanzen müssen sich nicht vor Kälte schützen – die Samen der meisten der dort heimischen Arten sind sofort keimfähig und treiben auch ohne Kältereiz aus.

Züchten von kaltkeimenden Pflanzen aus Samen

Für das Ziehen kaltkeimender Pflanzen aus Samen gibt es verschiedene mögliche Vorgehensweisen. Die einfachste davon ist die Aussaat im Herbst. Beispielsweise können Walnüsse direkt ein paar Zentimeter tief im Balkonkasten vergraben werden. In der Winterzeit erhalten die Nüsse den benötigen Kältereiz und keimen mit ein wenig Glück im Frühjahr aus.

Allerdings gelingt die Keimung bei einem Teil der Saat nicht – das ist normal. Einige Samen bleiben einfach steril, manchmal haben  auch Würmer, Bakterien oder Pilze an den Eicheln und Nüssen geknabbert. Die keimen dann nicht mehr, bleiben im Boden und verrotten später.

Daher sollte immer eine höhrere Anzahl an Samen gesät werden als Jungpflanzen erwünscht sind. Wer also drei Walnussbäume ziehen möchte, sollte im Herbst 6 bis 7 frisch gesammelte Walnüsse im Garten oder im Balkonkasten vergraben.

Die zweite Möglichkeit für die Zucht besteht darin, den für die Keimung benötgten Reiz künstlich zu erzeugen – man spricht von Stratifikation. Bei Kaltkeimern erreicht man diese durch Kühlung der Samen über einen längeren Zeitraum hinweg. Diese Variante kann beispielsweise bei der Zucht von Wein und Lavendel angewendet werden. Hierfür werden die Samen für bis zu 12 Wochen in einem geschlossenen, mit Sand oder Torf gefüllten Gefäß den Kühlschrank gelegt. Die Aussat in die Erde erfolgt anschließend bei höheren Temperaturen.

Kastanie, Haselnuss und Walnuss gehören wie viele andere heimische Pflanzen zu den Kaltkeimern. Auch bei vielen Obstbaumarten wie Apfel und Mirabelle benötigen die Samen für die Keimung einen Kältereiz. Die meisten Gemüsesorten hingegen sind Warmkeimer, da sie in unseren Breitengraden nicht heimisch sind, sondern ursprünglich aus wärmeren Gebieten stammen. Hierzu zählen beispielsweise Gurke, Tomate, Kürbis und auch einige beliebte Kräuter wie der Basilikum

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Warum wird jetzt im Herbst
der Wald so schön bunt?

(Und warum pflanzen wir nicht schon im Sommer?)

Wieso pflanzt „Otto pflanzt“ eigentlich Bäume und Sträucher im Herbst und was hat das mit buntem Herbstlaub zu tun? Ein kleiner Ausflug in die Welt der Bäume und Sträucher in der bunten Jahreszeit.

 

Während der Frühlings- und Sommermonate nehmen Bäume und Sträucher Nährstoffe und Energie über Blätter und Wurzeln auf. Das Chlorophyll in den Blättern sorgt nicht nur für eine grüne Blattfarbe, sondern ist in einem biochemischen Prozess – der Photosynthese – beteiligt, Kohlenstoffdioxid und Wasser unter Einwirkung von Sonnenlicht in Zucker und Sauerstoff umzuwandeln.

 

Die Lebensweise von Bäumen und Sträuchern verändert sich, wenn die Tage im Herbst kürzer werden: Nährstoffe und Energie müssen für die bevorstehenden Wintermonate gespeichert werden. Sommergrüne Bäume und Sträucher entziehen hierfür ihren Blättern die Säfte und transportieren sie zu den Wurzeln. Dann ist das Chlorophyll aus den Blättern überflüssig und wird abgebaut. Nun zeigen sich andere Farbstoffe, die in den Blättern enthalten sind, und sorgen für eine gelbe, orange, rote und manchmal sogar blaue oder violette Farbgebung. Aber woher kommen diese Farben?

 

Verantwortlich sind Carotinoide, etwa die Xantophylle, und die sehen nicht nur hübsch bunt aus, sondern haben eine wichtige Aufgabe: Der Umbau von Kohlendioxid mithilfe von Chlorophyll in Kohlenstoff und Sauerstoff ist ein aggressiver chemischer Vorgang, der die Zellen der Blätter schädigen könnte – und die Carotinoide schützen die Blätter davor.

Ganz zum Schluss zerfallen auch die bunten Farbstoffe, und das Laub wird braun.

 

Im Herbst liegt der Fokus auf den Wurzeln. Während die Blätter im Herbst langsam absterben, fokussieren sich die Pflanzen stärker auf ihre Wurzeln. Die wärmeren Sommermonate sind vorbei, der Boden ist allerdings noch warm. Außerdem gibt es mehr Niederschläge, die Gefahr einer Austrocknung des Bodens ist geringer. Unter diesen Bedingungen können sich die Wurzeln optimal ausbilden. Frisch gepflanzte Bäume und Sträucher können sich so in ihrer neuen Umgebung gut einwurzeln, bevor der erste Frost kommt. Im nächsten Frühjahr ist die Pflanze dann in der Lage, mit voller Kraft neu auszutreiben. Deshalb pflanzen wir die Bäumchen und Sträuchern nur von Anfang November bis Ende März.


Übrigens: Nicht alle Laubbäume und Sträucher verfärben sich im Herbst, und nicht alle Nadelbäume sind immergrün. Die Lärche beispielsweise wird gelb und verliert ihre Nadeln. Die Stechpalme hingegen trägt auch im Winter ihr grünes Laub. Ob ein Baum oder ein Strauch im Winter kahl ist, hängt mit der Widerstandsfähigkeit der Blätter oder Nadeln gegenüber den härteren Umgebungsbedingungen im Winter zusammen.

Die Blätter der robusten Stechpalme sind im Winter grün
Grünes Blattwerk eines Ahornbaumes während der warmen Jahreshälfte
Natürliche Farbstoffe wie Xantophylle sorgen für die Farbenpracht, wenn das Clorophyll abgebaut ist
Setzling zwischen Herbstlaub: Eine gute Jahreszeit für Pflanzungen
Die Nadeln von Lärchen verfärben sich im Herbst gelb und fallen ab
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Was benötigt eigentlich eine Blühwiese?

Weniger (Nährstoff) ist mehr!

In der Blühwiese brummt und summt es, Bienen, Hummeln und andere Insekten fliegen von Blüte zu Blüte. Die Wiese ist mit vielen Farben getupft: Dort gibt es z. B. Wiesen-Margeriten, Wiesen-Salbei, Flockenblumen und viele andere, die sich abwechseln.

Aber: Welche Grundvoraussetzungen braucht eigentlich eine Blumenwiese, um sich optimal entwickeln zu können? Die Antwort: einen möglichst „mageren“ Standort mit wenig Nährstoffen.

Das klingt überraschend, schließlich braucht jeder Organismus Nährstoffe.

Entsprechend groß ist auch das Gedränge an „fetten“ Standorten. Hier tummeln sich konkurrenzstarke Pflanzen, etwa Gräser, Diesteln, Brennesseln. Pflanzen, die schnell wachsen. Die sich oft durch Ausläufer vermehren und weniger auf Bestäubung angewiesen sind und – auch mit den Wurzeln –viel Platz in Anspruch nehmen.

Magere Standorte bieten viele Nischen, die wenig Platz für Brennessel und Co bereithalten. Aber sie sind ein Lebensraum, den sich viele Blühpflanzen erobern konnten: Sie lernten, die wenigen Nährstoffe aus dem Boden zu erschließen.

Wer mit wenig Nahrung klarkommen muss, kann sich keine großen Blätter leisten, so blieben viele dieser Blumen klein. Wer seine Photosynthese aber mit kleinen Blättern betreiben muss, braucht viel Helligkeit. Ein Leben im Schatten – fast unmöglich. Deshalb werden die Samen dieser Blühpflanzen im Schatten einer Brennessel oder vieler hochwüchsiger Gräser nicht mal auskeimen: Es lohnt sich nicht.

Die Pflanzen haben im Laufe der Evolution viele Strategien entwickelt, um an die wenigen Nährstoffe zu gelangen und sich darüber hinaus zu vermehren. Bewährt haben sich dabei mal mehr mal weniger auffällige Blüten, die Insekten anlocken – und so die Pflanzen bestäuben und zur Vermehrung beitragen.

Deshalb sind magere Standorten der ideale Lebensraum für eine große Vielfalt an kleinen Blühpflanzen, während die fetten Standorte von wenigen, konkurrenzstarken Pflanzen bevölkert werden, denen die Bestäubung durch Insekten nicht so wichtig ist: Wer hier eine vielfältige Blütenmischung sucht, wird nicht fündig werden.

Natürlich gibt es von jeder Regel auch Ausnahmen, und für Bäume gelten auch wieder andere Regeln.

Alles grün, nichts bunt – Gräserdominanz auf fettem Rasen
Eine insektenfreundliche Blumenwiese auf nährstoffarmem Standort

Kann man selbst einen Magerrasen anlegen?

Ja, das ist möglich. Möchte man eine Wildblumenwiese auf einer Fläche anlegen, könnte der erste Schritt das „Stören“ der obersten Bodenschicht sein, etwa durch zweimaliges Fräsen im Abstand von zwei Wochen. Ziel ist, die Pflanzen zu entfernen, die man nicht haben möchte.

Bei sehr fettem Boden oder sehr starkem Bewuchs kann das Abschieben des Oberbodens eine Möglichkeit sein, den Boden noch magerer zu machen. Hilfreich ist auch die Beimischung von Sand. In der zumeist trockenen Magdeburger Region wird das Saatgut idealerweise im Herbst ausgebracht, es sollte unbedingt regional heimisch (zertifiziert) sein.

Ist eine magere Blumenwiese pflegeintensiv?

Nein. Eine magere Blumenwiese muss viel seltener gemäht werden als ein mit Gräsern bewachsener fetter Rasen. Beim Magerrasen reichen ein oder zwei Mal pro Jahr aus, beispielsweise einmal im Juni und einmal im September. Die Mahd verhindert, dass sich Büsche bilden können. Außerdem ist eine gesunde, magere Blumenwiese sehr widerstandsfähig gegenüber Trockenheit, ein weiterer Pluspunkt in Hinblick auf die Pflegeintensität. Achtung: Nicht zu kurz abmähen, bei einer Schnitthöhe von ca. 20 Zentimetern können sich die Wildkräuter besser erholen.

Gibt es verschiedene Varianten des Magerrasens?

Ein sehr trockener Magerrasen wird als Trockenrasen bezeichnet. Die wichtigsten Typen des Mager- und Trockenrasens sind der basische Kalkmagerrasen, der (eher saure) Sandmagerrasen und der selten vorkommende Schwermetallrasen, der sogar giftige Schwermetalle verkraftet. Auch der in sauren, meist bergigen Regionen verbreitete Borstgrasrasen ist eine Variante eines mageren Rasens.

Legt „Otto pflanzt!“ auch Blumenwiesen an?

Ja! Blumenwiesen sind bei uns in Planung und sogar teilweise schon in der Pflege – wir machen das in Zusammenarbeit mit dem Verein Bienenweide e.V. Vielleicht können wir damit Magdeburg nicht nur grüner, sondern auch etwas bunter machen. 😉

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Die wichtige Aufgabe der Bienen –
und wie wir ihnen helfen können

Es ist Juli – Zeit der Insekten!

Durch die warme Jahreszeit begleitet uns neben blühenden Pflanzen eine Vielzahl von Insekten, denen die Blüten als Nahrungsgrundlage dienen. Der prominenteste Blütenbesucher ist die Honigbiene, genauer: die sich ähnelnden Rassen der Westlichen Honigbiene. Wir möchten euch ein paar Bienen vorstellen.

Westliche Honigbiene

Diese bräunlich gestreiften, 1,5 bis 2 Zentimeter langen behaarten Pollen- und Nektarsammlerinnen werden allein in Deutschland in hunderttausenden Bienenvölkern für die Gewinnung von Honig und Bienenwachs domestiziert.

Neben der Honigbiene gibt es aber allein in Deutschland über 560 weitere Bienenarten, die als Bestäuber genauso wichtig sind. Die meisten leben nicht in Völkern, sondern sind Einzelgänger (solitär lebend). Viele legen ihre Nester in Löchern an Altholzstämmen oder im Boden an.

Maskenbiene

Die bis zu 1 cm große Maskenbiene ist mit ihren verschiedenen Arten in vielen Teilen der Welt verbreitet. Maskenbienen nisten je nach Art in Totholz und Pflanzenstängeln, Löss- und Lehmwänden, Steinritzen und Erdnestern. Ein auffälliges Gesichtsmuster gab der Maskenbiene ihren Namen.

Hosenbiene

Die Bienen der Gattung „Hosenbiene“ verdanken ihren Namen der starken Behaarung an den Hinterbeinen, die an eine Hose erinnert. Die in Europa, Nordafrika und Asien vorkommenden Hosenbienen sind mit ihrer Körperlänge von bis zu 1,7  Zentimetern ähnlich groß wie die Honigbiene. Zum Nisten gräbt sie Löcher in den Boden, als Nahrung wählt sie nur bestimmte Pflanzenpollen aus. Übrigens: Insekten, die ausschließlich Pollen ganz bestimmter Pflanzenarten sammeln, nennt man „oligolektisch“. Es gibt viele solcher Arten, deshalb ist es wichig, dass das Nahrungsangebot aus vielen verschiedenen Blühpflanzen besteht.

Hummel

Wusstet ihr, dass die Hummel eine Gattung der Bienen ist? Die bis zu knapp über 2 Zentimeter großen Insekten bewohnen die kühlen und gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel und bilden Völker mit einer Königin, die als einziges Mitglied des Volkes den Winter überlebt. Im Frühjahr gehen Hummelköniginnen zeitiger auf Nahrungssuche als Honigbienen, da sie sich bei niedrigeren Temperaturen aus dem Winterquartier wagen. Hummelnester liegen oft im Boden, manchmal auch in totem Gehölz.

Lasst uns den Bienen helfen!

Neben den oben genannten gibt es noch Mauerbienen, Wollbienen, Seidenbienen, Holzbienen, Sandbienen, Blattschneiderbienen und weitere … eine wunderbare Vielfalt!

Doch leider ist inzwischen rund die Hälfte der Wildbienenarten in Deutschland vom Aussterben bedroht. Hauptursache: der Mangel an Nistplätzen und Nahrung. In den Monokulturen unserer Landwirtschaft ist seit Jahrzehnten die natürliche Blütenvielfalt verloren gegangen.

Wildbienen benötigen von Frühjahr bis Herbst ein durchgehendes Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten wie Totholz oder sandigen bis lehmigen Boden – und zwar in der Nähe. Denn während die Honigbiene zur Nahrungssuche viele Kilometer zurücklegt, fliegen die meisten Wildbienenarten nur wenige hundert Meter. Deshalb: Lasst uns den Bienen helfen!

Dieser Tisch ist schön gedeckt

Die beste Unterkunft ist sinnlos, wenn es nichts zu futtern gibt. Wilde Bienen fliegen auf Nahrungssuche nicht weit, deshalb sollten Blühpflanzen in der Nähe stehen – und möglichst vielfältig sein.

Die optimale Mischung  besteht aus früh- und spätblühenden, nektar- und pollenreichen Blühpflanzen und liegt in der Nähe der Nistplätze. Viele Märkte bieten Mischungen mit Sorten an, die nacheinander für lange Zeit blühen. Aber: Achtet bitte unbedingt darauf, dass das Saatgut heimisch. Mit „zugewanderten“ Arten können viele Insekten nichts anfangen – sie mögen sie einfach nicht. Infos dazu gibt der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. (VWW)

Zu Hause im Insektenhotel

Fast jeder Garten oder Balkon, jede gut gelegene Terrasse kann Wildbienen eine Heimat geben. Die bekannten Insektenhotels sind ein erster Schritt: Viele Wildbienen nehmen die Löcher und Röhren gern als Nisthilfe an.

Insektenhotels lassen sich einfach selbst basteln (Anleitungen im Internet, z. B. beim NABU) oder auch für wenig Geld kaufen. Wichtig ist ein geschützter, halbsonniger bis sonniger Standort.

Zu Hause in altem Holz

Viele Arten bevorzugen Altholz. Die Blattschneiderbiene zum Beispiel liebt Holzklötze oder tote Baumstämme. Einfach ca. 6 Zentimeter tiefe Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern von 4 bis 12 Millimetern hineinbohren, Eingänge nach Süden oder Osten ausrichten (wie beim Insektenhotel).

Im Foto: Wildbienenbesuch an Löchern in einem Holzklotz. Die verschlossenen Röhren sind bereits von anderen bewohnt …

Zu Hause in der Erde

Die meisten Wildbienen nisten im Boden und freuen sich über ein sonniges Sandarium – eine große Sandfläche, notfalls in einem großen Gefäß. Der Sand sollte fein sein und sich bei Nässe formen lassen. Ideal ist eine Beimischung von Lehmpulver. Ein paar Steine darauf bieten Rückzugsmöglichkeiten für Insekten, die Spalten zum Nisten bevorzugen.

Ein Sandarium bietet verschiedenen Insekten Nistmöglichkeiten und kann auch optisch ansprechend gestaltet werden. Eine sparsame Bepflanzung mit geeigneten Arten wie Sandstrohblume, Sandmohn oder Bergsandglöckchen kann den Bewohnern als Nahrungsquelle „vor der Haustür“ dienen.

So geht's auch: Bienenhaus aus Lehm

Mit Lehm lassen sich nicht nur schöne Sandmischungen für ein Sandarium herstellen, sondern auch Steilwände formen: Lehm in einen Blumentopf füllen, aushärten lassen und Löcher (wie beim Totholz) einbohren. Den Topf in liegender Position an einem sonnigen, geschützten Ort aufhängen oder -stellen. Ein toller Blickfang! Aber auch einfache Lehm-Pfützen liefern den Tieren bereits Baustoff für ihre Unterkunft. Tipps dafür hat der NABU, eine Anleigung stellt auch das Gartenjournal im Netz bereit.

Übrigens schenkt ihr damit nicht nur den Bienen eine Unterkunft: Auch andere Insekten wie beispielsweise gefährdete Solitärwespenarten nehmen die unterschiedlichen Nisthilfen an.

Nicht vergessen: Ein Schälchen mit Wasser

Auch Insekten haben Durst. Abhilfe schafft eine große, möglichst flache Schale, die regelmäßig nachgefüllt wird. Kork-Scheiben schützen als Rettungsinsel vor dem Ertrinken.

Über die Tränke freuen sich übrigens auch Vögel und Igel.

Denkt daran: Nicht nur Honigbienen, sondern die meisten Insekten erfüllen wichtige Aufgaben in der Natur – sei es als Bestäuber oder als Nahrung für anderen Tiere.

Text: Carina Schramm

Fotos: Otto pflanzt!, Pixabay

Quellen und weiterführende Links
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Vier Grad weniger! Studie beweist,
wie Wälder das Klima schützen

Spaziergang im Küchenhorn bei Wolmirstedt - die Baumkronen schützen wie ein riesiger Schirm

Wälder sind der wichtigste Lebensraum unserer Erde. Sie bedecken (noch) ein Viertel der Oberfläche unseres Planeten, sie beherbergen zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten – und sie sorgen auch wirksam für deren Schutz gegen die Erderwärmung:

Der Wald wirkt wie eine Klimaanlage, senkt die Temperatur um bis zu vier Grad.

In einer 2019 im Fachmagazin „Nature Ecology & Evolution“ veröffentlichen Studie konnte diese Kühl-Leistung nun erstmals global beziffert werden.

Dr. Florian Zellweger (Foto) von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf (Schweiz) und sein Team zeigten beeindruckend, wie wichtig Wälder als Schutzschild gegen hohe Temperaturen sind. Das Forschungsteam hat dafür die Temperaturen an 98 Standorten in verschiedenen Klimazonen auf fünf Kontinenten gemessen. In einer weiteren Arbeit von 2020, veröffentlicht in „Science“, wird gezeigt, wie Baumkronen das Waldleben vor der globalen Erwärmung schützen können.

Dass es im Wald kühler ist, spürt zwar jeder, der zum Beispiel in der Kreuzhorst spazieren geht oder im Küchenhorn bei Wolmirstedt. Doch es ist nicht allein der Schatten – im Wald ist es deutlich kühler als zum Beispiel unter einem Sonnenschirm. Und: Je älter die Bäume, je dichter ihre Kronen, desto stärker ist der Effekt.

Maßgeblich sind dafür mehrere Faktoren.

Erster Faktor: Bäume spenden Schatten. „Beschattung während heißen Sommertagen führt zu stark reduzierten Tageshöchsttemperaturen im Wald/unter Bäumen“, erklärt Zellweger.

Zweiter Faktor: Verdunstung – das Wasser, das aus den Blättern austritt verdunstet und kühlt die Blätter und die Umgebung. Wissenschaftler sprechen von Evapotranspiration. Zellweger: „Auch die Evapotranspiration der Bäume hat einen großen Einfluss auf den Temperatur-Pufferungseffekt.“

Im Wald gibt es auch andere Luftströmungen als außerhalb des Waldes. Zellweger: „Die Windverhältnisse werden ebenfalls durch die Bäume beeinflusst, was zu veränderten Temperaturen im Wald führt.“

Mit positiven Folgen für das Leben ím Wald: „Pflanzen und Tiere im Wald sind dem aktuellen Erwärmungstrend daher weniger stark ausgesetzt als Arten, die nicht im Wald leben“, so der Wissenschaftler.

Und: Wälder werden immer wichtiger, je mehr sich das Klima erwärmt – auch darauf weisen Zellwegers Studien hin: Je wärmer es wird, desto größer wird die Puffer-Kapazität des Waldes. Drinnen steigt die Temperatur nicht so stark wie außerhalb, die Unterschiede werden größer.

Das heißt: Wälder werden in ihrer Funktion als Klimaanlage in Zukunft immer mehr Bedeutung bekommen. Umso wichtiger, dass wir JETZT sorgsam mit unseren Bäumen umgehen!

Deshalb pflanzen wir Bäume.

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12 gute Gründe für Bäume (in der Stadt)​

Bäume in der Stadt sind viel mehr als Streicheleinheiten für die Augen! Sie sind auch Habitate für Vögel und Insekten, doch vor allem regulieren sie das Klima – je mehr es sind und je dichter sie stehen, umso effektiver. Hier sind 12 gute Grüne:

  1. Bäume reduzieren Hitzewellen und können Wärmeinseln verhindern
  2. Sie regulieren das Stadtklima und senken heiße Temperaturen
  3. Schatten verhindert die Absorbierung der Sonnenenergie durch den Boden, wodurch sich die Umgebung nicht so stark aufheizt
  4. Evapotranspiration – also die Verdunstung von Wasser durch die Blätter – bringt einen kühlenden Effekt
  5. Gebiete bis zu 2 Hektar Größe können eine Reduktion des Stadtklimas um 1°C bewirken, größere Gebiete sogar bis zu 4°C
  6. Bäume erhalten und fördern die Biodiversität von Flora und Fauna, sind Lebensraum z. B. für Insekten, Vögel, Reptilien
  7. Bäume verbessern das „soziale Kapital“, da Grünflächen soziale Interaktion innerhalb einer Kommune fördern
  8. Nach Sturzregen schwächen sie den Oberflächenabfluss, was bei versiegelten Flächen, wo das Wasser nicht versickert, zu Überschwemmungen führen kann. Und: Da in Wäldern und auf Grünflächen mehr Regenwasser versickern kann, helfen diese, die Wasserversorgung im Stadtgebiet aufrecht zu erhalten!
  9. Bäume sind wirksame Filter: Sie säubern effektiv die Luft und das Regenwasser
  10. Stadtwälder können Wetterextreme abschwächen
  11. Wälder binden Kohlenstoff, das kompensiert zu einem Teil das Kohlendioxid der in der Stadt ausgestoßenen Emissionen
  12. Kulturelle Ökosystemdienstleistungen verbessern das physische und mentale menschliche Wohlbefinden – im Klartext: Wald tut den Menschen gut, bei sportlichen oder soziale Aktivitäten, und er bietet Erholung