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gepflanzte Bäume

Workshop – Wie schneidet man einen Obstbaum richtig?

Julius Brinken (Mitte) erklärt der Gruppen, wie man einen Obstbaum beschneidet

Unser Verein hat sich auch zur Aufgabe gemacht, Bildungsarbeit zu leisten. Das machen wir gerne, und dass unser Angebot „Otto macht Schule“ auf viel Zuspruch stößt, freut uns sehr! Am vergangenen Samstag, den 16. März 2024, zeigten wir zum ersten Mal, dass die Erwachsenenbildung uns auch ein Anliegen ist. 

Im Workshop: „Wie beschneide ich einen Obstbaum richtig?“ erklärten unsere Experten der Fruchtschnitten, wie man richtig vorgeht und was zu beachten ist. Die drei, denen eine nachhaltige Lebensweise auch im Alltag eine Herzensangelegenheit ist, sind fachlich ausgebildete, junge und begeisterte Baumwarte aus Magdeburg.

Der Kurs fand nicht, wie regelmäßige Leser unserer Seite vielleicht denken mögen, auf unserer im Herbst 2020 angelegten Streuobstwiese an der Oebisfelder Straße statt. Wir waren diesmal in Stadtfeld auf einer jahrelang nicht gepflegten Fläche zugange. Diese Fläche, etwa 400 Meter entfernt vom Montessorie Schulzentrum, werden wir zukünftig als “grünes Klassenzimmer” mit den Kindern des Schulzentrums und (möglicherweise auch anderen Schulen…) betreiben.

Angedacht ist, hier Bildungsprojekte für die Kinder anzubieten und mit ihnen gemeinsam Bäume aufzuziehen. Unser Nutzungskonzept, was uns der für die Fläche zuständige Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe in kollegialer Abstimmung genehmigte, hat damit seinen Start gefunden. Im nächsten Schritt wollen wir auf der Fläche am Ostersamstag die umliegenden Gartennachbarn und unsere Vereinsmitglieder zu einem gemütlichen Kennenlernen bei Kaffee und Kuchen einladen.

Du hast auch Interesse, bist aber noch kein Vereinsmitglied, dann kannst Du das hier ganz schnell ändern. 😉 Du willst (noch) nicht Mitglied werden, interesierst Dich aber? Selbstverständlich bist Du auch dann jederzeit bei uns willkommen!

Michael Krack zeigt am Baum, was abgeschnitten werden muss

Was ist wichtig beim Obstbaumschnitt?

Im ersten Teil erklärte Michael von den Fruchtschnitten die theoretischen Grundlagen.
Die heutigen Streuobstwiesen sind eine vom Menschen gemachte Kulturlandschaft. Bereits seit 2. Jahrhundert n. Ch. spielt der Obstanbau in Deutschland eine Rolle, ab dem 16 Jahrhundert entstanden dann die sogenannten Streuobstwiesen – großflächige Anpflanzungen von hochstämmigen Obstbäumen. Streuobstwiesen liefern aber nicht nur Obst, sie sind zugleich artenreiche Biotope, die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten beherbergen.

Streuobstwiesen sind aus einer landwirtschaftlichen-kulturellen Entwicklung hervorgegangen. Nach der Pflanzung werden die Obstbäume jedes Jahr beschnitten, um eine naturgemäße Krone aufzubauen.

Diese ist aufgrund der Wuchsgesetze der Bäume, der Bewirtschaftbarkeit zur Ernte und der Fruchtqualität mit 4 Leit- bzw. Strukturästen und einer Mitte aufgebaut. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Statik, damit die Bäume zukünftig eine hohe Fruchtlast tragen können.

Auch in den späteren Jahren ist die regelmäßig Pflege, entsüptechend dem Alter,  wichtig. Jungbäume müssen noch alle zwei bis drei Jahre beschnitten werden, Altbäumen nur noch alle fünf bis sieben Jahre. In der Zwischenzeit kommen die Bäume in den Fruchtertrag. Um Holz- und Fruchtbildung im Gleichgewicht zu halten, werden ältere Bäume mit einem Pflegeschnitt regelrecht „verjüngt“.

Altbäume sind schwieriger zu beschneiden, wenn sie keine gut strukturierte Kronenform besitzen. Deswegen kann so ein Einstiegs-Workshop selbstverständlich auch nicht die komplette Ausbildung zum Streuobstbaumwart ersetzen. Ein paar wichtige Grundregeln konnten wir aber lernen.

Für Jungbäume gilt:

Man muss den Leittrieb  (die Spitze) klar herausstellen und um den Baum herum 

So luftig sehen die Bäumen nach dem beschneiden aus

möglichst vier gleichmäßig verteilte und in Kelchform aufgerichtete Leitäste heranziehen. In den Jahren, in denen die Krone aufgebaut wird, spricht man vom sogenannten Erziehungsschnitt. Wenn es keine (offensichtliche) Spitze gibt, muss man entscheiden, welcher Ast die Mitte wird. Dann muss man Leitäste entwickeln, die mit etwas Abstand unterhalb der Spitze ihre „Saftwaage“ haben. Sie können ohne Probleme über etwa 50cm verteilt ansetzen.

Wenn der Baum größer wird, wachsen die Abstände zusammen. An den Leitästen werden möglichst viele Triebe belassen und ggf. in Form gebracht. Hier wachsen die Fruchtäste, die zunächst steiler herauskommen und sich dann mit der Fruchtlast herunterbeugen (es gibt also keine „Wasserschosser“). Die Leitäste begleiten den Baum das ganze Leben, und die Fruchtäste erneuern sich durch neue Triebe.  So können die Obstbäume hoffentlich in ein hohes Alter kommen und uns viele Früchte schenken.

Wie sind wir zu dieser neuen Fläche gekommen?
Unser engagiertes Vereinsmitglied Ralf hat sich in persönlichen Gesprächen mit Dennis Rieseberg (Schulleiter) über Möglichkeiten der gemeinsamen Nutzung der potenziellen Fläche verständigt. Die Fläche, welche in Bewirtschaftung des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe ist, liegt nur 400 Meter vom Schulzentrum entfernt. Nach Abstimmung der geplanten Nutzung mit dem Eigenbetrieb der Stadt haben wir die Freigabe für die Nutzung der Fläche erhalten. Wir wollen im Herbst mit den Kindern Obstbäume pflanzen und umweltpädagogische Projekte realisieren, um so die Schülerinnen und Schüler für Stadtgrün zu sensibilisieren. So ist zum Beispiel auch die gemeinsame Pflanzung von Beerenobst mit den Kindern geplant.
Wenn Du uns bei dem neuen Projekt unterstützen möchtest, melde Dich gerne bei uns! Der 2. Arbeitseinsatz mit anschießendem Grillen findet am 13.04.23 ab 10 Uhr statt, wenn Du mitmachen möchtet, melde Dich gerne dafür hier https://survey.lamapoll.de/Arbeitseinsatz-Streuobstwiese-2024-04-13/de an.