Schaffen wir wirklich 9000 Bäume an einem Vormittag?

 Das Experiment
ist gelungen!

Das war die größte Pflanzung, die wir bisher hatten

Gruppenbild mit zwei Hunden aber (leider) nicht mehr mit allen Helferinnen und Helfern
Es war die größte Pflanzung, die wir je durchgeführt haben. 
Es war ein Experiment, aus mehreren Gründen. Natürlich hat nicht alles geklappt wie geplant. Aber, das vorab: Das Experiment ist gelungen!
 
Ganz ehrlich: Wir hatten Schiss. Richtig Schiss. Alle. Das Kernteam von Otto pflanzt! und auch der Flächeneigentümer. „Ich hab die Nächte vorher ziemlich schlecht geschlafen“, sagt Dirk Schünemann. Unser Ziel: An einem Tag sollten so viele Gehölze in die Erde wie früher in einer ganzen Pflanzsaison.
 
Wir trafen Dirk Schünemann aus Sülldorf (Sülzetal) im Februar, bei unserer Pflanzung am Bördegarten Gewächshaus. Dirk ist Vorsitzender des Jagdverbandes Stemmern, Landwirt im Ruhestand, Naturliebhaber, Idealist – und vor allem Pragmatiker. Ein Mann, der anpackt. Auf seinen Ländereien in Sülldorf hat er privat schon Tausende von Bäumen gepflanzt, Eicheln ausgesät, Wildschutzzäune gesetzt. Mit privatem Geld. Er schmunzelt: „Meine Frau fand das irgendwann gar nicht mehr so toll.“
Endlos lange Reihen - am Ende alles bepflanzt
Drei Tage Dauerfrost, trotzdem kam der Spaten rein
Die Fläche, die wir mit ihm bepflanzen: eine ehemalige Kiesgrube, schon zu DDR-Zeiten, dann illegal als Deponie für Sondermüll (Bauschutt u.a.) benutzt, aufgefüllt mit Erde. Die Ironie: Wegen der Schadstoff-Belastung wurde Landwirtschaft hier verboten, und deshalb konnten wir nun Bäume pflanzen. 
 
Das Projekt: Eine Pflanzung auf zwei Hektar. An die zehntausend Gehölze – und das an nur einem Tag. Der Plan war, die Fläche mit Pflanzfurchen vorzubereiten, damit entfiel das Buddeln der Löcher.
Unser Problem: Wie akquirieren wir genügend Helfer und Helferinnen – an einem Samstag, morgens um 9 Uhr, draußen in Sülldorf – und das im Dezember? Vor allem: Kommen wir nach drei Tagen Dauerfrost überhaupt in die Erde?
 

Samstag, 2. Dezember, morgens. Die aufgeworfene Erde neben den Furchen ist hartgefroren. Nach und nach trudeln die Helferinnen und Helfer ein, langsam geht es los. Doch dann wurden wir viele, bald waren an die 70 Leute am Werk. Mit Spaten, wird gegraben, aber es geht schnell – Dirks Helfer vom Jagdverband haben ihm schon oft geholfen und Übung darin. Einige beginnen sofort ihre Arbeit mit Erdbohrern: Das ganze Gelände muss noch am selben Tag eingezäunt sein, damit Hasen und Rehe die jungen Pflanzen nicht gleich abknabbern.

Tatsächlich: Nach vier Stunden sind wir fertig! Fast. Ein paar Bündel Bäumchen sind zusammengefroren, ein paar hatte die Baumschule nicht geliefert. Aber knapp 9000 der 9650 Pflanzen sind in der Erde. Den Rest pflanzt Dirk Schünemann in den nächsten Tagen nach.
 
Das war die Herausforderung: 9000 Pflanzen, auf einer Fläche weit vor den Toren Magdeburgs, da muss man es erst mal schaffen, genügend Helfer und Helferinnen zu motivieren, an einem Samstag, morgens ab 9 Uhr, bei Frost! Wir hätten es vorher kaum geglaubt. “Ich auch nicht”, sagt Dirk. Er freut sich, dass ein kleines Stück der Börde wieder aufgeforstet wurde. 
 
Und erzählt: “Als Kind habe ich miterlebt wie tausende Obstbäume in unserer Feldflur gerodet und jeder dritte Feldweg umgepflügt wurde, um große Flächen und immer noch mehr Ackerland zu nutzen. Um unseren Hof hat mein Vater Anfang der siebziger Jahre einen Hektar Streuobstwiese und Plantage gerodet um Weizen und Kartoffeln anzubauen. Das gleiche geschah mit allen Plantagen um unser Dorf. Für mich als Kind war das eine Katastrophe!
2014 konnte Dirk Schünemann die ehemalige Kiesgrube kaufen. Aber wofür? Es gab viele Vorschläge – Kuhweiden, ein Windpark.
 
Das mit dem Windpark wäre schon attraktiv gewesen, 600 Euro Pacht pro Jahr. “Aber die kamen nicht aus dem Knick”, sagt Schünemann. “Und letztlich wollte ich lieber Bäume haben. Weiden haben wir doch genug.”
Stärkung mit Würstchen, gestiftet vom Hof Sülldorf aus eigener Herstellung
 Übrigens:
Neben den Bäumen aus der Baumschule kamen auch über 100 Stieleichen aus eigener Aufzucht in die Erde. 

Sunny, ein Freund unseres Vereins, hatte uns vor einigen Wochen angeschrieben und gefragt, ob er seine selbst hochgezogenen Pflanzen auf einer unserer Flächen auspflanzen darf. Klar durfte er! Er brachte sie zur Pflanzung mit, jetzt wachsen sie bei Sülldorf.
Dirk Schünemann (Mitte) erklärt das Vorgehen
Ralf wärmt sich mit leckerem Punsch auf. Der wurde in einem Bauwagen heißgemacht
Grit (vorn) und Jonas (r.) vom NABU packen mit an

Ein kurzer Videoschwenk über die riesige Fläche, die wir bepflanzt haben – die Helfer und Helferinnen verlaufen sich fast 🙂