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Wie „fesselt“ man eigentlich einen Baum?

Leonie bindet ein Apfelbäumchen fachgerecht am Pfahl fest

(Mini-Tutorial für eine sichere Anbindung nach der Pflanzung)

Der Einsatz selbst war gar nicht der Rede wert. Doch wir standen noch keine zehn Minuten auf der Fläche, da meldete sich schon jemand per Messenger: Hab euch aus dem Zug gesehen! Was macht ihr da eigentlich?

Nun ja, wir … „fesseln“ unsere Bäume! 😉

Kurzum: Die Bäume auf der Streuobstwiese an der Oebisfelder Straße waren nach der Pflanzung damals von unseren lieben Helfern nicht alle so ganz richtig angebunden worden. Die Bindungen hatten sich mit der Zeit gelockert und hielten nicht mehr. Das haben wir am Samstag korrigiert (die zu kurzen alten Kokos-Seile wurden dabei natürlich zusammengebunden und wiederverwendet). Ende der Geschichte.

Aber wer das noch nie gemacht hat, fragt sich bestimmt: Wie „fesselt“ man denn einen Baum richtig, so dass die Bindung hält und den Baum dauerhaft vor Sturmschäden bewahren kann? Und warum muss das überhaupt? In der Natur stehen die doch auch alle „frei“ herum.

Erklärung: Dies sind Obstbäume, welche wir erst gepflanzt haben, als sie schon zwei Meter hoch waren. Die Bäume haben noch nicht wieder genug Wurzeln für ihre Größe nachgebildet und damit sie sicher stehen und gut anwachsen können, werden sie festgebunden.

Hierbei geht darum, dass die Bindung das Bäumchen möglichst stabil vom Pfahl entfernt festhält – und zwar nicht nur in Zugrichtung, sondern auch als Stütze in Druckrichtung. Die Verbindung zwischen Stamm und Pfahl soll ein massiver Strang sein, kein schlaffes Band. Deshalb braucht man relativ viel Seil, pro Baum mindestens 2,50 Meter. Das Seil sollte außerdem auch einigermaßen dick sein.

Hier die Anleitung:

1. Das Seil wird in der Mitte zu einer dopptelten Schlinge gelegt, im Wassersport heißt das „Ankerknoten“ oder auch „Ankerstich“. Diese Doppelschlinge legt man recht weit oben (wichtig!) um den Pfahl und zieht sie fest. Nun hat man zwei parallele Seil-Enden.

2. Mit einer guten Handbreit Abstand – also etwa dem Abstand zwischen Baum und Pfahl – wird das Doppelseil nun einmal um den Stamm gelegt.

3. Jetzt kommt das Wichtigste: Mit beiden freien Enden gleichzeitig umwickelt man nun das Seilstück zwischen Baum und Pfahl möglichst straff, mit möglichst engen Windungen. Sieht ein wenig nach einem Henker-Knoten aus. Man wickelt so weit, bis man wieder ganz eng am Pfahl angekommen ist.

4. Am Pfahl teilt sich das doppelte Seil wieder, man führt die Enden beidseitig um den Pfahl herum und verknotet sie fest miteinander. Zu lange Enden abschneiden – fertig.

5. Zum Schluss kann man sicherheitshalber noch einen Nagel durch den Knoten in den Pfahl schlagen, damit sich der Knoten nicht öffnet und die Bindung nicht verrutschen kann.

Fazit: Es ist gar nicht so schwierig, man muss es nur mal richtig gezeigt bekommen. Wir hatten uns das übrigens während unserer vorletzten Pflanzung mal bei unserem Freund, Pflanz- und Natur-Berater Uwe Truckenmüller abgeschaut …

Vorher ...
... und nachher